FAQ zum Thema Rechtfertigende Indikation

bereitgestellt von Herrn Prof. rer. nat. Klaus Ewen, 10.01.2013

Rechtfertigende Indikation

Unter der rechtfertigenden Indikation versteht man im Strahlenschutz die Entscheidung eines Arztes oder Zahnarztes mit der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz, dass und in welcher Weise radioaktive Stoffe oder ionisierende Strahlung (z. B. Röntgenstrahlung) am Menschen in der Heilkunde oder Zahnheilkunde angewendet werden.

Rechtliche Grundlagen: § 23 RöV und § 80 StrlSchV.

Wann ist die RI zu stellen?

Die RI muss bei jeder Anwendung ionisierender Strahlung in Ausübung der Heil- und Zahnheilkunde gestellt werden; wichtigste Ausnahmen: Untersuchungen nach dem Infektionsschutzgesetz und Röntgenreihenuntersuchungen (Screening).

Was ist Ziel der RI?

Ziel der RI ist die Feststellung, dass der gesundheitliche Nutzen der Anwendung ionisierender Strahlung gegenüber dem Strahlenrisiko überwiegt.

Wo darf man die RI stellen?

Der die RI stellende Arzt muss den Patienten vor Ort persönlich untersuchen können; also muss er auch die RI vor Ort stellen (also nicht z.B. telefonisch).

Wann muss die RI erfolgen?

Die RI muss auf jeden Fall zeitlich vor der Anwendung erfolgen.

Wer ist berechtigt, die RI zu stellen?

Nur Ärzte mit der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz dürfen die RI stellen, aber eben nur auf dem Gebiet, für das ihre Fachkunde gilt.

Ist ein Facharzt automatisch zur RI berechtigt?

Nein: Das Vorhandensein von Fachkunde im Strahlenschutz darf keineswegs mit dem Begriff „Facharzt“ verwechselt werden.

Darf nur ein Radiologe die RI stellen?

Nein: Die Erlaubnis zur Stellung der RI ist keineswegs nur auf den „Radiologen“ beschränkt.

Dürfen andere Personen die RI stellen?

  • Andere Personen (MTRAs, MPEs), die auch über eine Fachkunde im Strahlenschutz verfügen, dürfen die RI nicht stellen.
  • Ebenso darf ein Arzt nur mit Kenntnissen im Strahlenschutz die RI nicht stellen.

Wie muss die RI aufgezeichnet werden?

  • Über die Stellung der RI muss eine Aufzeichnung erstellt werden;
    z.B.: § 28 Abs. 1 Nr. 4: „Angaben zur rechtfertigenden Indikation nach § 23 Abs. 1 Satz 1“
  • Es ist nicht festgelegt, wie diese Aufzeichnung erfolgen soll (z.B. digital oder analog). Sie muss aber eindeutig einer bestimmten radiologischen Maßnahme zuzuordnen sein.
  • Eine Unterschrift seitens des die RI stellenden Arztes ist nicht zwingend erforderlich. Allerdings muss „erkennbar“ sein, wer die RI gestellt hat.

Reicht der Röntgenschein als Aufzeichnung der RI aus?

  • Nein. Der so genannte Überweisungsschein („Röntgenschein“) von einem Arzt am Ort A zum Ort B, wo die Anwendung stattfinden soll, ist in der Regel nicht als Dokumentation für die RI anzusehen. Der Arzt am Ort B, der auch für die Röntgenuntersuchung verantwortlich ist, wird die RI stellen müssen.
  • Beispiel für eine Ausnahme: In einem Krankenhaus erfolgt die Zuweisung durch einen Arzt mit Fachkunde im Strahlenschutz nach Stellung der RI den Patienten in die Röntgenabteilung, wo sich (zur Zeit) kein fachkundiger Arzt aufhält, aber eine MTRA für die technische Durchführung verfügbar ist.
  • Der oben angesprochene „Röntgenschein“ hat grundsätzlich keine strahlenschutzrechtliche Relevanz, es sei denn, er weist explizit darauf hin, dass damit die RI gestellt worden ist (siehe das oben genannte Beispiel).

Wer entscheidet in Zweifelsfällen übder die RI?

In Zweifelsfällen (z.B. ein überweisender fachkundiger Arzt kann sich, was die Art der Anwendung betrifft, nicht mit dem fachkundigen Arzt am Ort der Anwendung einigen) entscheidet letzten Endes der Arzt vor Ort, der für die Röntgenuntersuchung verantwortlich ist.

Muss immer die Möglichkeit zur RI bestehen?

Ja. Der Strahlenschutzverantwortliche ist dafür zuständig und verantwortlich, dass beispielsweise nachts in einem Krankenhaus, wo mit Röntgenuntersuchungen zu rechnen ist, mindestens ein Arzt mit der erforderlichen Fachkunde im Haus verfügbar ist, d.h. er hat die entsprechende Organisationsverpflichtung.

Gibt es Ausnahmen für den Notfall?

Nein. Wenn ein Arzt ohne Fachkunde im Strahlenschutz die RI stellt, verstößt er gegen die RöV bzw. StrlSchV. Wenn er dies wohl wissend tut (z.B. trotz Unterweisung, Einweisung, Besuch von Strahlenschutzkursen), übernimmt er ggf. die berufsrechtliche, zivilrechtliche und strafrechtliche Verantwortung für mögliche daraus resultierende Fehler. Er kann dann die möglichen rechtlichen Konsequenzen in diesen Rechtsgebieten nicht so ohne Weiteres auf den Strahlenschutzverantwortlichen oder –beauftragten übertragen.

Ist eine Kontrolle notwendig?

Es gehört nicht zur Aufgabe einer Assistentin (MTRA oder MFA), vor der technischen Durchführung zu hinterfragen, ob die RI ordnungsgemäß gestellt worden ist oder ob der die RI stellende Arzt entsprechend fachkundig im Strahlenschutz ist.

Was ist der Unterschied zur medizinischen Indikation?

Die so genannte medizinische (klinische) Indikation (ärztliche Untersuchung, aus der sich die Meinung ergibt, dass ionisierende Strahlung zur Anwendung kommen sollte) darf jede als Arzt/Ärztin approbierte Person stellen, und zwar ohne Fachkunde oder Kenntnisse im Strahlenschutz.